Clementine Schack von Wittenau, im September 2009
Feuer und Licht gehören oft zusammen. Beim Glas bedingen sie einander sogar, etwa wenn der Künstler hauptsächlich am Ofen arbeitet, wenn er die glühende Glasmasse dem Hafen entnimmt, wenn das Werkstück an der Pfeife hängend, im Feuerschein aufleuchtet, dann langsam erkaltet und das Licht hindurch gleitet. Sind das die Gründe dafür, dass Veronika Beckh von sich sagt, „das Streben nach Vollkommenheit“, „Fragen nach der Existenz und dem Dasein“ überhaupt seien der Ausgangspunkt für ihre Beschäftigung mit Glas, weil das Feuer seit Urzeiten zum menschlichen Leben gehört und diese Kostbarkeit nur wachsen kann unter der Einwirkung des Lichts? Fern von Modeströmungen konzentriert sich die Künstlerin auf kugelige oder halbkugelige Formen, die mal einzeln erscheinen, mal passgenau ineinander gebettet sind. Entsprechend behandelt sie die Oberflächen, sie können glatt, mattiert oder durch Weiterbearbeitung mittels Kalttechniken mit halbrunden, geriefelten Erhebungen überzogen sein. So entsteht aus der Einfachheit Vielfalt, kann das Licht geschluckt oder mannigfach gebrochen werden. Die Glasgestalterin fokussiert behutsam auf eher kleinformatige Objekte. Seit ihrer Master-Arbeit, spinnt sie das Thema Lichtdurchlässigkeit noch weiter, indem sie das angestammte Gebiet ganz verlässt und sich monumentalen Wandinstallationen aus durchsichtigen Materialien zuwendet. Bei einem dieser meterhohen Werke hat sie Transparentpapier zu Streifen geschnitten, diese in ein Nylon-Fischernetz eingearbeitet und das feine, textilartige Gewirk in einem rundum verglasten Ausstellungsraum von der Decke herabhängen lassen. Durch das von allen Seiten hereinfallende Licht werden da die zahlreichen kleinen Wölbungen im Netz vielfältig modelliert, sie werfen Schatten, springen vor und zurück und scheinen so zum Leben zu erwachen. Veronika Beckh hat auch mit anderen Materialien wie Porzellan und Plexiglas gearbeitet, aber dem ursprünglichen Werkstoff wird sie treu bleiben. Immer wieder sieht sie es als Herausforderung an, aus der zäh fließenden Glasmasse am Ofen Formen zu gestalten, die in ihren Augen vollkommen sind.